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Artist Statement

 

Der Bauingenieur philosophiert. Medienübergreifend. Zuerst das Denken, dann das Material.

Denken in Modellen, Sprache, Bild, Zeichnung. Und der Körper vibriert, ist unruhig.

Ich halte Vorträge, so genannte Talks oder Lehrveranstaltungen. Außerdem konstruiere ich Performances als Bewegungsmodelle und erstelle Videoarbeiten.

Vortrag? Klar! Alles ist Windhauch. Schnell, dynamisch, komplex und Imagination.

Hineingehen in das dreidimensionale Denken. Architektur, die sich bewegt.

Freie Konstruktion im Baurausch für die Welt.

Meine Objekte, Aquarellzeichnungen, computergenerierte Konstruktionszeichnungen, Drucke,

Fotografien und Installationen sind eigenständige voneinander gelöste Arbeiten.

Die Welt, das Leben, das Gehirn. Darum geht‘s. Worum sonst? Anklage, Liebe, Schimpfen, Streiten und immer

wieder bauen. Und alles ist Erzählung, Drama. Regisseur der Dinge.

Letztendlich die Komplexität des Universums abbilden.

 

 

Felix Helmut Wagner

 

geboren in Erlangen / lebt und arbeitet in Braunschweig und Wien

 

seit 2017        

Studium Transmediale Kunst, Universität für angewandte Kunst Wien, bei Prof. Brigitte Kowanz

2013 - 2017    

Studium Freie Kunst, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und Kunstakademie Karlsruhe,

bei Prof. Corinna Schnitt, Prof. John Bock und Prof. Wolfgang Ellenrieder

2013  

Studium Master Bauingenieurwesen, Technische Hochschule Nürnberg

2008 - 2012    

Studium Bauingenieurwesen, Technische Hochschule Nürnberg, Abschluss: Bachelor of Engineering

 

 

Ausstellungen/ Screenings/ Performances (Auswahl):

G = Gruppe|E = Einzel

 

 

2019

Performance bei viennacontemporary, Wien, AT (upcoming)

Talk "The substance of the universe", Technische Universität Braunschweig, D (E) 

Performance "The Age of Basic-Shapes", Galerie Wienerroither und Kohlbacher/ Palais Schönborn-Batthyány, Wien, (E) 

Performance "Mars", Beyond Deviation, Bildraum 01, Wien, AT (G)

2018

#ScreenTime  - YOUR ART COULD BE HERE / Barbis Ruder, Neue Galerie der Tiroler Künstler*schaft, Innsbruck, AT (G)

Performance "The Age of Basic-Shapes", 20. Jubiläum Transmediale Kunst, Universität für angewandte Kunst Wien (G)

Buy Buy, Jahresgabenausstellung des Kunstverein Wolfsburg, D (G)

12. Fünf-Seen-Filmfestival, Starnberg, D (G)

Die Dritte Instanz, City Gallery des Kunstverein Wolfsburg, D (E)

Ready or Not, Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ), Wien, AT (G)

Under the Sun, Österreichischer Skulpturenpark, Graz, AT (G)

Stereoskop IV - Beuteschema, Performancefestival, Kunstraum PFERD, Wien, AT (G)

Gastvorträge in den Seminaren "Thomas von Aquin: Über die Wahrheit" und "Metaphysik. Die Frage nach der Wirklichkeit", Leuphana Universität Lüneburg, D (E)

2017              

The wound is the place where light enters you, DG-Galerie, München, D (G)

Gastvortrag (Der Unbekanntheitsraum und die Ursprungskugeln) Erstsemestereinführung, Aula HBK Braunschweig (E)

Grundlagenforschung // Ursprungskugeln, Jakobushaus Goslar, D (E)

CEEHIILNPSSWZ - ACH MENSCH, Museum für Photographie Braunschweig, D (G)

viele_sophen Festival, Performancefestival, Braunschweig, D (G)

BABEL im Park Festival, Kulturfabrik Löseke, Performancefestival, Hildesheim, D (G)

2016              

Kickin' around the house, Museum für Photographie Braunschweig, D (G)

kunst hoch 46, Burg Galerie, Halle an der Saale, D (G)

Voyage Voyage, Galerie der HBK Braunschweig, D (G)

2015               

Movimentos Filmfestival, Hallenbad, Wolfsburg, D (G)

 

 

Preise / Stipendien

 

2018

Artist in Residence Österreichischer Skulpturenpark

seit 2016        

Stipendium Cusanuswerk

2015               

LED-Screening, Volksbank BraWo, Braunschweig

 

 

Publikationen

 

2018

Ausstellungskatalog 'Under the Sun', Österreichischer Skulpturenpark - Artist in Residence 2018,

Klasse Transmediale Kunst / Brigitte Kowanz

 

'UN/CERTAIN FUTURES - Rollen des Designs in gesellschaftlichen Transformationsprozessen', transcript Verlag,

Marius Förster, Saskia Hebert, Mona Hofmann, Wolfgang Jonas (Hrsg.), ISBN 978-3-8376-4332-9   

 

2017

Ausstellungskatalog 'The wound is the place where light enters you', Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e. V.,

Dr. Walter Zahner, Benita Meissner (Hrsg.), ISBN 978-3-932322-47-1            

Text zur Ausstellung "Die Dritte Instanz" in der City Gallery des Kunstverein Wolfsburg:

 

Die Einzelausstellung DIE DRITTE INSTANZ von Felix Helmut Wagner (*1987) gibt einen Einblick in die ganz spezielle Arbeitsweise des jungen Künstlers, durch die er den interdisziplinären Zusammenhang zwischen Ingenieurwesen und Kunst erforscht. So beschreibt er selbst seine Praxis als „Wissenschaft mit Kunsterweiterung“. Physikalische Größen wie Kraft, Energie, Masse, Dichte oder Volumen dienen ihm als Ausgangspunkt für philosophische Theorien über das universale Dasein.

Felix Helmut Wagner studierte zunächst Bauingenieurwesens, dann freie Kunst an der HBK Braunschweig und der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Seine technischen Kenntnisse fließen in seine künstlerische Arbeit ein, die auf (natur-)wissenschaftlichen Formaten, wie Formeln, Präsentationen, empirischen Studien und Experimenten aufbaut.

Als Sinnsuchender entführt er die Besucher in seinen anspruchs- und zugleich humorvollen Vorträgen und Performances in die Welt von „Definitionsmonstern" und „feinstaubartigen Ursprungspartikel", deren Wirkung wir Menschen schutzlos ausgeliefert sind und die unser Denken bestimmen.

     

Stine Hollmann (Kuratorin City Gallery / Kunstverein Wolfsburg)

Text zur Ausstellung "Under The Sun" im Österreichischen Skulpturenpark in Graz

 

[...] Performativ reagiert Felix Helmut Wagner (D) mit seiner Arbeit Ursprungsflüssigkeit aus Erdkammersystem auf die Arbeit o.T. von Heimo Zobernig aus dem Jahr 2003. Er entwirft in einer auf eine Bautafel affichierten Zeichnung mithilfe imaginativer Wissenschaft ein System zur Transformation einer Ursprungsflüssigkeit, wobei die Verbindung von Welt und Mensch durch den Mittler Kunst pointiert veranschaulich wird. Diese Flüssigkeit steige durch Zobernigs Arbeit auf und transformiere sich in Feinstaub, der sich im menschlichen Gehirn festsetze und dadurch die Linearität menschlichen Handelns unterbreche. Professionalität reklamiert Wagner durch seine Vortragsweise, die Positionierung hinter einem Rednerpult sowie den Einsatz eines Laserpointers, der das Gesagte wirkungsvoll untermauert. Zugleich wird der Anspruch von Wissenschaflichkeit durch die Absurdität der konstruierten Theorie ausgehebelt und durch die übertriebene Körpersprache auf witzige Weise untergraben. [...]

 

Dr. Elisabeth Fidler (Chefkuratorin Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark und Österreichischer Skulpturenpark)

 

 

Felix Helmut Wagner nimmt direkt Bezug auf Heimo Zobernigs Skulptur „o.T.“ aus dem Jahr 2003. Er visualisiert die Funktionsweise einer komplexen Apparatur mittels einer zeichnerischen Darstellung, die auf einer Bautafel zu sehen ist. Zentraler Teil der Installation ist ein performativer Vortrag, in dem der Künstler erläutert wie innerhalb eines unterirdischen Systems die Ursprungsflüssigkeit im Inneren der Erde transformiert, durch Zobernigs säulenartige Skulptur aufsteigt, um letztlich in feinste Partikel aufgelöst, oben auszutreten. Dieser Feinstaub gelangt durch Einatmen in die Blutbahn und setzt sich an menschlichen Gehirnzellen fest, wodurch Lücken in der Linearität menschlichen Handelns entstehen. Felix Helmut Wagner nutzt Zobernigs reduziertes Formenvokabular, lädt es mit seiner eigenen poetischen Narration auf und evoziert die Vorstellung einer Welt, in der jedes profane „Ding“ die Möglichkeit der Komplexität in sich trägt.

 

Eva Chytilek  (Projektleitung)

Text zur Ausstellung "The wound is the place where light enters you" in der DG-Galerie in München:

 

Felix Helmut Wagner kommentiert in seinem künstlerischen Werk gesellschaftliche Phänomene und Strukturen durch Videoarbeiten, Performances, oder mittels schematischer Darstellungen. In einer Lesung und grafischen Aufarbeitung erklärt der Künstler zum Beispiel, wie gesellschaftliche Zwänge vom Neutralisationskämpfer fantasievoll bekämpft werden können.

In der Arbeit ‚Unter Uns‘ begibt sich der Betrachter gemeinsam mit dem Künstler unter das Gebäude der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Zu sehen ist ein laubbedeckter Boden, der punktuell beleuchtet wird von der Action-Kamera, die der Künstler am Kopf trägt. Felix Wagner geht dem Gerücht nach, dass ein Obdachloser unter dem Eingangsfoyer lebe und findet dort eine temporäre Behausung vor. Es sind allerlei Abfälle wie Pappbecher oder Stoffe zu sehen. Das Eindringen in die Behausung des Obdachlosen lässt uns zu Voyeuren werden. Während die Studenten über dem Foyer studieren dürfen, existiert darunter eine Parallelwelt in der Dunkelheit. Der Obdachlose lebt im Verborgenen und darf sich nicht zu erkennen geben, da er sonst sein gewähltes „Zuhause“ verlieren würde.

Die Hochschule erscheint in der Öffentlichkeit makellos, da passt so ein „hässlicher“ Fleck nicht ins Bild, der Obdachlose ist ein unerwünschter Gast. Seine Existenz führt uns vor Augen, dass unsere Gesellschaft manche Menschen ausschließt. Seine Präsenz ist wie eine Wunde, die man lieber versteckt. Aber nur durch das Sichtbarwerden der Wunde kann auch Heilung geschehen. Der Künstler wirft Licht ins Dunkle und holt etwas an die Oberfläche, was eigentlich nicht dafür gedacht ist. Felix Helmut Wagner zeigt nur auf, greift aber nicht ein. Er ist ein passiver Beobachter. Um den Bewohner nicht zu verraten, wurde das Video erst gezeigt, nachdem die Hochschule selbst auf den Obdachlosen aufmerksam geworden war. Der Bereich unter dem Foyer wurde mit einem Zaun abgeschottet. Das Video wurde erstmalig direkt über der ehemaligen Wohnstätte des ungebetenen Gastes im Eingangsfoyer präsentiert.

 

Benita Meißner (Geschäftsführerin und Kuratorin der DG-Galerie)

Text zur Ausstellung "Grundlagenforschung // Ursprungskugeln" im Jakobushaus Goslar:

 

„Was ist die Ursprungskugel? Die Ursprungskugel ist gleichzeitig der Ursprungsgedanke, der reine Ursprungsgedanke“ erklärt Felix Helmut Wagner und bewegt dabei den Laserpointer über seine Power-Point-Präsentation. Wagner hat zu einem wissenschaftlichen Vortrag eingeladen. Die Power-Point-Präsentation zeigt eine Konstruktionszeichnung mit Kreisen, Dreiecken und Quadern, zwische­­n denen einige Pfeile ein Beziehungsgeflecht veranschaulichen. Es geht um „Gedankenkonstruktionen“ und den „Unbekanntheitsraum“ und irgendwie auch um die Frage „Wo komme ich her?“. Ein wissenschaftlicher Vortrag zu einer philosophischen Frage erklärt mithilfe einer Power-Point-Präsentation, die aussieht wie bei einem Mathematiker abgeguckt, und das ganze von einem Kunststudenten. Wie passt das alles zusammen?

 

Felix Helmut Wagner, der vor seinem Kunststudium Bauingenieurswesen studierte, betreibt „Wissenschaft mit Kunsterweiterung“. So beschreibt er seine Arbeitsweise. Sie ist nach diesem Selbstverständnis also erst Wissenschaft und dann Kunst. Als Video- und Performancekünstler und Zeichner nimmt er die Rolle des Wissenschaftlers ein und forscht nach dem Ursprung der Dinge, dem Ursprung der Kreativität, der Freiheit der Kunst und der Freiheit des Einzelnen in der Gesellschaft. Die Ausstellung Grundlagenforschung // Ursprungskugeln gibt erstmalig einen umfangreichen Einblick in Wagners Forschungsarbeit. Sie zeigt Videoarbeiten, Zeichnungen und Drucke, die in den letzten drei Jahren entstanden sind. Neben der Präsentation im großen Saal und angrenzendem Flur befinden sich Arbeiten der Ausstellung in den Gästezimmern 2, 3, 6 bis 12, 14 bis 16 und 18 bis 20 und tun dort so, als gehörten sie zur Inneneinrichtung. Sie können Anlass für Begegnungen zwischen den Gästen des Jakobushauses und den BesucherInnen der Ausstellung sein.

 

Wenn Wagner forscht, dann eignet er sich dabei die Darstellungsmodi und Codes der (Natur-)Wissenschaften an: Es entstehen Power-Point gestützte Vorträge, in denen er sich der Wissenschaftssprache mit ihren Phrasen und Verklausulierungen bedient. Es entstehen theoretische Modelle, dieer in Graphen, Diagrammen und Computerzeichnungen visualisiert. Es entstehen Vorzeichnungen für Performances, die aussehen wie die Konstruktionszeichnungen eines Ingenieurs. Es entstehen Zeichnungen, die Forschungen in sich selbst sind. Wagner nutzt dabei eine Bildsprache, die den Betrachter unmittelbar in einen Modus des Nachvollziehens und Begreifen- Wollens versetzt. Fast autoritär zwingt einen diese Sprache die Graphiken zu entschlüsseln oder die mathematischen Formeln aufzulösen. Und dann stößt man auf das „Definitionsmonster“ und das „Freiheitsvergleichssubjekt Vogel“ oder die Videoarbeit Umformung der Ursprungskugeln durch die zweite Instanz (2017), deren Formensprache eher an Dada erinnert als an die wissenschaftliche Abhandlung, die der Titel suggeriert. Das Verstehen-Wollen bröckelt und man fragt sich: Ergibt das überhaupt einen Sinn?

 

Genau diese Frage provoziert Wagner mit seiner Arbeitsweise. Für Wagner ist sie produktiv. Allerdings geht es nicht darum sie mit Ja oder Nein zu beantworten, sondern sie weiterzudenken. Es geht um die Frage, was denn „Sinn“ überhaupt sein soll. Was ist Erkenntnis? Oder eher: Wie entsteht Erkenntnis und wie wird Sinn produziert? Ist die wissenschaftliche Vorgehensweise der Sinngenerierung die einzig mögliche? Tatsächlich sind Wagners Modelle sinn-voll, nur nicht nach wissenschaftlichen Standards. Sie lassen Subjektivität, Irrtum und Widerspruch zu. Sie sind offen und nicht absolut und eröffnen damit eine Möglichkeit der Mitgestaltung durch den Betrachter. Genau hier sind Un-Sinn, Quatsch und Nicht-Logik wichtige Mittel für Wagner. Sie geben ihm die Möglichkeit, den Betrachter zum eigenen Denken zu aktivieren – indem er lacht, indem er zweifelt, indem er hinterfragt, indem er einen eigenen Sinn in den von Wagner vorgeschlagenen Bildern findet.

 

Theresia Stipp (Kunstwissenschaftlerin / Kuratorin)

Text zur Ausstellung "CEEHIILNPSSWZ. ACH MENSCH" im Museum für Photographie Braunschweig:

 

Unerbittlich schlägt das Metronom in der Videoarbeit URBA (2015) von Felix Helmut Wagner (*1987 in Erlangen, DE, lebt in Braunschweig). Der Künstler selbst hat es aufgestellt, um im Takt an einem Tisch sitzend Teig zu kneten, Kugeln und Kreise zu formen. Wiederholt wird dies viermal: vor einer Grafittiwand, auf einem Spielplatz, im Schwimmbad und auf dem Friedhof. Die redundante Tätigkeit wird zur Metapher für einen Hamsterrad-Alltag – Frühstück, Arbeit, Mittagessen, Heimweg, Schlafen gehen. Wagner versteht die Videoarbeit als „Spiegel des urbanen Rhythmus“. Gibt es daraus kein Entrinnen?
Gesellschaftliche Systeme und deren vermeintliche Unabänderlichkeit sind wiederkehrende Themen in Wagners Performances und Videoarbeiten. Durch Wiederholung und Übertreibung führt er diese ad absurdum. Dabei sind seine Arbeiten durchaus optimistisch, denn sie glauben an das revolutionäre Potential von Kunst, Systeme aufzubrechen und zu verändern. Im »Zwischenspiel« wird er neben URBA eine weitere, bislang unveröffentlichte Videoarbeit, und zur Eröffnung eine Performance zeigen.

 

Theresia Stipp, Christin Müller (Kuratorinnen der Ausstellung) 

 

 

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